Das Frühstück findet mit absurden Coronaregeln statt („don‘t touch anything, we will serve you“), die bei zwei sehr bemühten, aber mit dem Einzelservice heillos überforderten Mitarbeiterinnen zu Schlangen und einigen verzweifelten Selbstbedienungsmanövern führt. Die Qualität ist aber gut, mit Müsli, Trockenfrüchten und frischen Früchten, das Gesamtbild passt. 

Spontanes Reisen bedeutet konsequenterweise, dass man Führungen nicht großartig vorbuchen kann, und so machen wir uns nach dem Frühstück auf den Weg zur laut Website ab 9 Uhr geöffneten Touristinfo. Vielleicht hätte die nicht vorhandene Telefonnummer uns schon Warnung sein müssen, aber …  Am Zielort angekommen finden wir vor dem verrammelten Gebäude lediglich eine klägliche Infotafel mit einigen Routen-Barcodes vor, die noch nicht einmal mit Erklärungstexten verbunden sind. Naja, so können wir uns alternativ einem Radrennen widmen, das just an diesem Sonntag auf einem Rundkurs durch Messina führt — hat auch etwas!

Nach der Zieldurchfahrt holen wir unsere Rucksäcke ab, gehen zum Bahnhof und besorgen Tickets für die Überfahrt nach Villa San Giovanni und die Fahrt im Frecciarossa nach Salerno. 

Im Nachhinein merken wir, dass nur Züge, die direkt ab Messina gebucht werden können, eine Fahrt auf der großen Fähre mit (wie wir vermuten) Aussichtsdeck ermöglichen — wir setzen mit einem Boot über, auf dem man zwingend im Innendeck sitzen muss, was zu einem nicht ganz so grandiosen letzten Blick auf Messina führt. 

Der Freccia kommt pünktlich, die Fahrt ist mal wieder gespickt mit tollen Aussichten, die man dank reichlich freien Plätzen einfach genießen kann. Dabei ist es gar nicht so einfach zu entscheiden, ob sich auf der See- oder der Landseite die spektakuläreren Blicke eröffnen. Eine Sightseeing-Tour der anderen Art!

Ach und Tunnel gibt es etliche auf der Strecke, aber die stören irgendwie gar nicht, weil sich oft danach eine umso grandiosere Aussicht bietet …

In Salerno steigen wir in einen eher unmodernen, aber zum Glück nicht überfüllten Regionalzug um, wir können uns in einem Viererblock für die nächsten 3 Stunden einrichten und fahren auf eine Wetterfront zu, die wir mit unserer Hauruck-Bahnreise hinter uns zu lassen hoffen. Deshalb verzichten wir auch auf einen Zwischenstopp in den Bergen, die nach unseren Recherchen heute und morgen ungemütlich sein werden. 

Die frühjahrsnasse Landschaft ist viel gebirgiger als wir uns vorgestellt hatten, mit engen Tälern und schroffen, teils steil aufragenden Felsen inmitten üppigen Grüns … Man fühlt sich wahlweise an Schottland, Alpen, Allgäu, Mittelgebirge jeglicher Art erinnert, und doch ist es eigene ganz eigene Landschaft, durch die man hier fährt. Einfach faszinierend!

In Taranto kommen wir schon im Dunkeln an, was sich als goldrichtig erweist, denn die Stadt erstrahlt im warmen Licht historischer Straßenleuchten und wir geraten mitten hinein in den Höhepunkt der jährlichen Patronatsfeiern zu Ehren San Cataldo, inklusive Prozession zum Dom und Rummel am Hafen. 

Der Trubel bedeutet natürlich auch, dass alle Lokale überquellen, und so ziehen wir uns auf unseren kleinen Balkon zurück und verspeisen die letzten Reste unseres noch vorhandenen Proviants, die noch herrlich munden.