Die Ankunft in Palermo wird für 7:15 Uhr lautstark verkündet, allerdings geschieht das Anlegen erst um 7:45 Uhr. Und was man uns an keiner Stelle verraten hat, ist die Tatsache, dass die Fußpassagiere als Letzte das Schiff verlassen … Wir kommen so in den Genuss von knapp zwei Stunden filmreichen Manövern rund um einen Kreisverkehr mit sechs Zugängen, die munter von hunderten Lkw und anderen Fahrzeugen „bespielt“ werden. 

Frühstück hatten wir aufgrund der frühen Ankunft (haha) nicht auf dem Schiff geplant, sodass wir uns mit zwei Kaffee im Magen auf den Weg zu einem vorher ausgespähten Café Spinnato machen. Die breiten Boulevards und die großen Fußgängerzonen hatten wir so nicht erwartet, die Stadt gefällt uns auf Anhieb sehr gut!

Das Frühstückscafé liegt zwar superschön, der Kaffee schmeckt, aber Herzhaftes für Heinz ist nicht wirklich im Angebot … als Tipp für die Zukunft geht es also nicht in unsere Sammlung ein. 

In einer nahegelegenen Touristinfo informieren wir uns über Busfahrten zum Montepellegrino und Gepäckaufbewahrungen für die großen Rucksäcke. Der Weg zur Via Vittorio Emmanuele führt durch breite Fußgängerzonen mit herrschaftlichen alten Gebäuden. Alles sehr beeindruckend. 

Das Gepäck wird unkompliziert in der Touristinfo untergebracht, die Bustickets besorgen wir uns in einem Tabacchi, und nach einem weiteren Spaziergang mit kurzer „Diskussion“ mit Wartenden an einer Bushaltestelle identifizieren wir den richtigen Haltepunkt - die Anteilnahme reicht so weit, dass man uns zum Abschied „Daumen hoch“ gibt, nachdem wir im richtigen Bus sitzen. 

Die Busfahrt auf den Berg führt über teils recht enge Serpentinen, inklusive Hupen vor den Kurven zur Warnung Entgegenkommender, bietet aber schon mal erste schöne Ausblicke. 

Oben angekommen spazieren wir weiter hoch und genießen die sich eröffnenden herrlichen Blicke auf Stadt und Bucht. Die Pflanzenwelt ist vielfältig, von üppig blühenden Büschen bis hin zu riesigen Kakteen.

Am „Einstieg“ zum Wanderweg hinunter in die Stadt gönnen wir uns ein kleines Picknick mit dem leckeren Käse und der Salami aus Neapel, begleitet von Tomaten und Orange. Da sich inzwischen ein Gewitter ankündigt, packen wir dann doch recht zügig ein und erreichen gerade noch rechtzeitig vor dem „großen Regen“ ein Café in Montepellegrino. Spontan entsteht eine Art „deutsche Hütte“, mit einer Vierergruppe und einem weiteren Pärchen. Mit Letzteren kommen wir richtig nett ins Gespräch über die verschiedenen Formen der Urlaubgsgestaltung — Wandern, Radfahren, mit Zug, Motorrad, VW-Bus — und wir werben wie immer für Interrail …

Das regnerisch bleibende Wetter hält uns davon ab, den Wanderweg nach unten zu nehmen. Mit dem Bus geht es bequem zurück nach Palermo. 

Die Frage „Wohin nun?“ beantworten wir uns spontan mit „Ab Richtung Süden, der nächste Regionalzug nach Agrigento“ ist unser. Leider gehört er an einem Freitagnachmittag auch sehr vielen Mitreisenden, sodass wir gut die Hälfte der Reise auf durchhängenden Notsitzen verbringen. Bei bedecktem Himmel geht es durch die rau-malerische Landschaft der Cammarata, die jede Menge schöner Ausblicke bereithält. 

In Agrigento fällt unsere Wahl nach kurzer Recherche auf das Hotel La Valle, das mit einem Gartenblick wirbt, der sich als Blick über einen Archäologischen Park bis zum Meer entpuppt, den wir auch von unserem Zimmer genießen. 

Der Einfachheit halber reservieren wir für das Abendessen einen Tisch im Hotelrestaurant. Der Abend offeriert im Dialog mit dem Kellner den einen oder anderen skurrilen Moment, weil er jede Frage zu „Menü“ oder „A la Carte“ zum Anlass nimmt, uns die jeweils andere Karte zu entreißen. Im weiteren Verlauf fehlt die eine oder andere „Zutat“, und zum Abschluss wird die Entscheidung über das Dessert spontan in der Küche gefällt, aber es schmeckt, und das ist ja erstmal die Hauptsache. 

Die Bewegung am Tag hat wieder für ausreichend Müdigkeit gesorgt, und so fallen wir ermattet in die Federn.