Das Frühstück ist Standard, mit freundlichem Personal, wir deponieren mal wieder die Rucksäcke und wandern in die Stadt — wegen anhaltender Fußproblematik zum nächsten Hop-on-hop-off-Bus. Der ist etwas teurer (trotz Rabatt aufgrund vorheriger Buchung), dafür aber inhaltlich schlechter, wie wir kurz darauf feststellen, es werden auch nicht alle Stopps angesagt. Naja, für einen kleinen Überblick reicht‘s, die Faszination der Stadt strahlt gerade von den Hügeln aus bis in den Bus. Wir steigen nahe der Plaza de la Marina aus und laufen in Richtung Catedral de la Incarnación de Málaga, über breite Promenaden mit vielen Pflanzen und teils edlem Natursteinboden. 

Die Schlange vor der Kathedrale ist nicht allzu lang, also entschließen wir uns zu einer Besichtigung. Ein Audioguide fürs Handy ist im Eintritt inklusive und erklärt sämtliche (tatsächlich zahlreiche!) Kapellen der Kathedrale sehr gut. Der Bau ist wahrhaft monumental und auf Fotos überhaupt nicht einzufangen. 

Anschließend sammeln wir unsere Rucksäcke ein und fahren mit dem Hop-on-hop-off-Ticket zum Bahnhof. Diesmal büßen wir beim Einchecken kein weiteres Utensil ein und erreichen nach nur eineinhalb Stunden Granada. Direkt vom Bahnhof aus sind schon schneebedeckte Gipfel der Sierra Nevada zu sehen, während wir hier unten tatsächlich bei Temperaturen über 30 Grad angekommen sind — die Anzeigen in den Straßen verkünden satte 39 Grad, unser iPhone sagt allerdings „nur“ 32 Grad, was auch zu unserem Gefühl passt. 

Diesmal wählen wir den Fußweg zum Hostel, in dem wir am weltweiten Feiertagswochenende zum 1. Mai ein Zimmer mit Bad ergattert haben. Das ist erwartet schlicht, im 3. Stock ohne Fahrstuhl, aber super gelegen, freundliche Mitarbeiterin, alles gut. 

Die Stadt wuselt nur so vor Menschen, das Konzept „verwinkelte Gassen“ erlebt man hier in ganz neuen Dimensionen, wobei enge Gassen, breite Flaniermeilen und unzählige Plätze zu einem unerhört attraktiven Ganzen verschmelzen. Man ist sofort in den Bann gezogen, spätestens, wenn man zum ersten Mal einen Blick auf die hoch über der Stadt thronende/schwebende Alhambra erhascht. „Grandios“ trifft es schon ziemlich gut. 

Da wir für jegliche rechtzeitige Vorbuchung um Wochen zu spät sind, wandern wir einfach mal auf gut Glück zum Eingangsbereich hoch, durch die Stadt und eine Parkanlage, alles bestens gepflegt. Dort bekommen wir das Ticketbüro allerdings nur aus der Ferne zu sehen, denn es heißt sofort „all sold out, for weeks“, und man bräuchte auch gar nicht zu versuchen, sich morgens anzustellen, es gebe schlicht keine Tickets. 

Einzige Chance: um Mitternacht des aktuellen Tages über die Website probieren, da würden einige Tickets noch eingestellt. (Das entpuppt sich später sogar als „im Prinzip wahr“, um Punkt Mitternacht wird das aktuelle Datum grün und man kann den Kaufprozess starten, aber dann heißt es „no available tickets for this date“, und kurz darauf ist das Datum wieder rot.) Naja, so richtig damit gerechnet hatten wir sowieso nicht, also steigen wir in den nächsten Bus Richtung Stadt, der dann sogar noch weiter hoch zum Albaicín fährt, von wo aus man einen perfekten Blick auf die Alhambra hat. Eine Caféterrasse hat zwei Plätze am offenen Fenster für uns, sodass wir den Abendhimmel über Granada bei kühlen Getränken und zwei Empanadas auf uns wirken lassen. Herrlich!

Den Weg zurück in die Stadt suchen wir uns zu Fuß, mal über steile Treppen, mal auf sich windenden Kopfsteinpflasterwegen, immer wieder mit Blick auf die Stadt. Unten lassen wir uns einfach ein bisschen durch die Straßen treiben, gönnen uns noch ein Bier und Grillgemüse und schlendern dann zum Hostel zurück. 

Zum nachdenklichen Ausklang entdecken wir an einer großen Kreuzung ein Banner mit der Aufschrift „El ruido nos impide vivir“ („Der Lärm beeinträchtigt unser Leben“ oder stärker: „Der Lärm lässt uns nicht leben“). Das wundert uns nicht, wenn dieses Wochenende stellvertretend für mehr oder weniger das ganze Jahr steht.