Zum Frühstück gibts frisch zubereitetes Rührei, sehr lecker, auch Birchermüsli ist im Angebot, kleines Manko sind die abgepackten Marmeladen. Ein kurzer Spaziergang zum Bahnhof tut gut, der EC nach Genua steht frühzeitig bereit, und wir sind „back on track“ unserer ursprünglichen Reiseplanung. Mal schauen, was der Tag bringt.
Im Laufe der Reise wird unser Zug zu einer Art Geisterzug, der zwar auf der Strecke fährt, aber nicht in den Bahn-Apps auftaucht, weder bei DB, noch OEBB, SBB oder Trenitalia (SBB hatte ihn noch am längsten im System). Merkwürdig, aber uns egal, solange er uns ans Ziel bringt.
Mit im Zug sind vier Reisende mit Tourenrädern, die in Genua die Fähre nach Sardinien nehmen wollen — sie sind wegen des Streiks von irgendwo in Baden-Württemberg mit dem Auto nach Zürich gefahren und wollen noch am selben Abend auf die Fähre. Dank pünktlicher Ankunft dürfte ihnen das gelungen sein. Wir machen uns auf den Fußweg zu unserem Hotel, der schon mal durch ein paar malerische Altstadtstraßen führt, die von einer reichen Genueser Geschichte zeugen.
Nach dem Einchecken heißt es erstmal duschen und frischmachen, bevor es zur ersten Erkundung in die sehr hügelige und verwinkelte Stadt geht. Auffällig sind die großen, teils prachtvoll hergerichteten Stadthäuser mit beeindruckenden Innenhöfen und die sehr schmalen Gassen, die von den Geschäftsstraßen abgehen.
Wir lassen uns treiben, spähen nach einem netten Lokal und landen schließlich in einer schlichten Pizzeria mit offener Backstube, die scheinbar von einer Familie betrieben wird (Sciuscia e Sciurbi in der Via XXV Aprile). Fior di Latte mit Tomaten vorweg, Pizza in schönster Qualität und Tiramisú zum Abschluss, es geht uns gut.
Der Bummel runter zum Hafen bietet überraschend auftauchende kleine Plätze mit Bars und Restaurants ebenso wie einsame Gässchen, die fast etwas Unheimliches haben. Die Hafenpromenade ist weitläufig und einladend, wir wandern vorbei an einem riesigen Piratenschiff mit gigantischer Gallionsfigur — wie wir später rausfinden, wurde es in den 80er Jahren für den Polanski-Film „Piraten“ gebaut, ist seetüchtig und beherbergt heute ein Museum für ebendiesen Film.
Mit der Metro geht es zurück zum Hotel (der Ticketautomat erschließt sich ausnahmsweise in Nulllommanichts, man wählt den passenden Zeitraum und gut ist), die Bahn ist modern und schnell, passt.