Die Matratzen sind wunderbar, der Schlaf entsprechend erholsam und das Frühstück auswahlreich und schmackhaft, was will man mehr! Gestärkt legen wir eine kleine „Bürosession“ ein, idyllisch auf der Terrasse am Hotel und mit WLAN-Empfang.
Anschließend geht es Richtung Bahnhof, wir haben uns für die Weiterfahrt Großrichtung Madrid entschieden, mit Zwischenstopp in Lleida und Zaragoza, da der Süden um Valencia und Granada ein paar sehr heiße Tage vor sich hat. Wieder fahren wir im Regionalzug, für den wir lediglich den Eintrag in der Interrail-App vornehmen müssen — fühlt sich immer wieder gut an!
Zur Kaffeezeit erreichen wir Lleida, das gerade Siesta hält. Wir machen uns auf den Weg zur Kathedrale Seu Vella, die imposant auf einem Hügel über der Stadt thront und in eine riesige Anlage eingebettet ist. Wir sind gewillt, den Berg hochzusteigen, nehmen das Angebot eines Fahrstuhls auf die oberste Ebene aber angesichts der Rucksäcke dann doch dankend an.
Im Café La Sibil.la bieten sich mal wieder grandiose Ausblicke, die wir bei Kaffee und Croissant (omnimpräsent und einzige Option) genießen. Anschließend spazieren wir noch ein Weilchen durch die Altstadt, klettern in den Keller des Rathauses, der früher einmal repräsentatives Erdgeschoss gewesen sein dürfte, und setzen die Stadt auf die Liste „hohe Aufenthaltsqualität“.
Trotzdem zieht es uns am frühen Abend zum Bahnhof zur Weiterfahrt nach Zaragoza. Warum? Weil's geht und wir wieder einfach den Regionalzug besteigen und gemütlich weitergondeln. Die Fahrkartenkontrolle findet übrigens auf der ersten Etappe gar nicht statt (Zugbegleiter geht einfach vorbei), auf der zweiten guckt er immerhin grob in die Richtung des Handys mit der Ticketanzeige …
Die Fahrt ist äußerst abwechslungsreich: Schroffe Hügel mit Wald und Felsen, dann wieder weite, dünn besiedelte Ebenen mit Landwirtschaft, zwischendurch westernreife Gebilde, das alles bei strahlendem Sonnenschein. Der Regionalzug nach Zaragoza ist angenehm von der Besetzung her, wir haben einen Viererplatz mit Tisch für uns und freien Blick auf die teils bizarre Landschaft. Das karge Umfeld jenseits der bewirtschafteten Flächen zeigt, dass es ohne künstliche Bewässerung hier keine Ernte gäbe.
Wir steigen an der Station El Portillo aus, die eher eine Haltestelle ist, einen Ticketschalter gibt es jedenfalls nicht. Der Fußweg zum Hotel vermittelt schon einen ersten Eindruck von der Stadt, der sehr positiv ausfällt — weitläufig, mit monumentalen Gebäuden und Plätzen und sehr angenehmer Atmosphäre.
Nebenbei versuchen wir, bei renfe telefonisch Reservierungen nach Madrid zu organisieren. Nach etwas komplexer Navigation durch das automatische spanische Menü habe ich einen netten Englisch sprechenden Mitarbeiter an der Strippe, der sich Mühe gibt, aber selbst erst im Laufe des Gesprächs rausfindet, dass er Reservierungen für Interrail-Reisende nur bis 24 Stunden vor Fahrtantritt vornehmen kann. Wir haben allerdings inzwischen sowieso Plan B in petto, nämlich einen Regionalzug, der durch die Lande bummelt und uns die Option lässt, vor Madrid auszusteigen. Auch gut.
Also heißt es Einchecken im Hotel Alfonso, mitten in der Altstadt gelegen, die sehr großzügig und „aufgeräumt“ wirkt. Einnehmend! Wir spazieren wie immer drauflos, grobes Ziel ein Lokal, das wir bei Google mit dem Stichwort bio gefunden haben. Das ist allerdings geschlossen. Macht nix, um die Ecke liegt das Albarracín — gut frequentiert, sympathisch gestaltet, wir setzen uns draußen hin und freuen uns über die lauen Temperaturen.
Das Essen ist richtig lecker, und der zweite Abend in Spanien bestätigt unseren Eindruck, dass das Preisniveau deutlich niedriger ist als in Italien und Deutschland. Für gut 50 Euro haben wir zu zweit eine große Portion iberischen Schinken mit Brot, Kabeljau mit Gemüse und Kartoffeln, Tomaten und Burrata, 2 Bier, 1 Wein und eine große Flasche Wasser genossen.
Hinterher spazieren wir noch zur Punta de Piedra, der alten römischen Brücke über den Ebro, und der Catedral de Nuestra Señora del Pilar (beeindruckend!). Der positive Eindruck bestätigt sich, die Stadt lädt eindeutig zum Schlendern und Verweilen ein.