Das Frühstück fällt etwas enttäuschend aus, mit abgepacktem Müsli, Billigstmarmeladepäckchen und einer Pad-Kaffeemaschine — nur das frisch aufgeschnittene Obst tröstet eine von uns, der andere vermisst Gemüse jeglicher Art. Insgesamt stimmt auch die Qualität einfach nicht, schade. 

Wir lassen die großen Rucksäcke im Hotel und brechen bei schönstem Sonnenschein auf zu einer kleinen Runde durch die Stadt, beginnend mit der Kathedrale. Auf der gleichnamigen Plaza setzen moderne Skulpturen und architektonische Elemente schöne Kontrapunkte zur historischen Kirche. Die Stadt hat ganz offensichtlich viel in ihr Erbe und die Gestaltung des öffentlichen Raumes investiert. Dafür stehen auch die zahlreichen mindestens verkehrsreduzierten Straßen, die zum Flanieren einladen.

Kleine Indoor-Highlights erleben wir auch noch: Die eintrittsfreie multimediale Ausstellung „Yo soy Goya“ (Ich bin Goya) präsentiert in einem wunderschönen Gebäude neben der Kathedrale das Leben und Schaffen des Malers auf eindrucksvolle Weise. Am Ende beantwortet sogar eine Art „Hologramm-Goya“ Fragen und blickt einem dabei richtig in die Augen.

Am Ende des Platzes liegt ein moderner schräger Würfel über einer Ausgrabungsstätte des alten römischen Marktes und Forums. Wir entschließen uns spontan zu einem Besuch und werden nicht enttäuscht: Auch diese Ausstellung im Museo del Foro de Caesaraugusta ist hervorragend gestaltet, mit einem Großbildfilm, der aus Sicht des Ebro die Geschichte der Stadt erzählt. Kurzweilig und informativ, ebenso wie der Weg durch alte Kloakengänge und Mauerreste der verschiedenen Zeiten. Anschaulicher kann man Geschichte kaum präsentieren. Für zukünftige Besuche merken wir uns schon mal vor, dass dies nur eine von mehreren Ausgrabungsstätten ist, die man auf einem Pfad durch die Stadt besichtigen kann.  

Zaragoza kommt eindeutig auf die Liste „gerne wieder“, denn wir machen uns nun per Tram auf den Weg zum Bahnhof Goya. Dort verkauft uns ein sehr netter renfe-Mitarbeiter Reservierungen für die nächsten zwei Tage, einmal Madrid-Toledo, einmal Toledo-Madrid, denn auf der Strecke fährt tatsächlich ausschließlich der AVE. Die Reservierung kostet dafür aber auch nur 4 Euro pro Strecke/Person. 

Die Kontrolle im Zug findet wieder annähernd statt. Die Fahrt nach Guadalajara geht erneut durch abwechslungsreiche Landschaft, zumeist eher karg und schroff, zum Ende hin aber immer grüner und waldiger. In Guadalajara fühlen wir uns am Bahnhof so ein bisschen wie in der Wüste, es weht ein heißer Wind, man würde sich nicht wundern, wenn Westernmusik erklänge. Ok, bisschen übertrieben, aber der Bahnhof liegt außerhalb des Ortes, der Weg rein führt an nicht sehr ansehnlichen Häusern und einer großen Straße entlang. 

Allerdings findet man auf halber Strecke auch eine recht wohlhabend wirkende Reihenhaussiedlung, man ist halt schon recht nah an Madrid. Der Ort selbst ist dann auch ein kleines Kontrastprogramm zu den bisherigen historisch überbordenden Städten, eher schlicht … Schlicht im positiven Sinne ist auch die Pizzeria, in der wir landen, mit uriger Abholnummernbahn und einer gigantischen Wandmurmelbahn — Pizza schmeckt, Bier auch, alles gut.