Bei ruhiger See schläft es sich gut, sodass es beim Aufwachen draußen schon hell ist. Die Sonne bahnt sich etwas mühsam ihren Weg durch helle Wolken, die Luft ist mild.
Das Frühstück setzt sich zusammen aus wenigen Kaufkomponenten (Pane? Wait 15 minutes. Scrambled eggs? Finished. Es bleiben Croissant, Marmelade und Joghurt und die Reste unseres abendlichen Mahls (Tomate, Käse, Schinken, Ciabatta, noch richtig lecker), die man uns immerhin unangefochten auspacken lässt. Ist ja auch nicht so, dass man das hier hätte kaufen können.
Dank zurückgekehrtem GPS-Signal erkennen wir nach dem Frühstück, dass wir auf Höhe von Girona sind, eine kleine Bergkette zeichnet sich am Horizont ab. Entlang der Küste nähern wir uns Barcelona, inzwischen ist auch das Mobilnetz wieder da.
GNV hinterlässt bei uns den Eindruck, alles „auf Kante“ zu organisieren — die Crew ist freundlich und bemüht, aber die Ressourcen sind einfach zu knapp, auf allen Ebenen, bis hin zu den Vorräten. Wir würden zukünftig wohl doch mal gucken, ob es Alternativen gibt.
Das Anlegen des Schiffs zögert sich wieder mal ganz schön raus, sodass wir schließlich gegen 14:45 Uhr auf dem Pier stehen, wo ausnahmsweise Busse warten, weil man nicht alleine über das Gelände laufen soll. Wir ergattern Plätze in einem ersten Minibus, dessen Fahrerin sich prompt erstmal in den Hafenanlagen verfährt. hmmm … Sie findet schließlich eine Mitarbeiterin an einem „inoffiziellen“ Seitentor — so wirkt es jedenfalls —, die uns alle dort rauslässt. Naja, uns soll es recht sein.
Wir hatten uns vorher schon überlegt, in Barcelona nur den Montjuïc in Hafennähe zu erklimmen und dann noch mit einem Regionalzug nach Tarragona zu fahren, und setzen die Idee in die Tat um. Der Weg hoch ist gut auch mit Rucksäcken zu bewältigen, und es bieten sich wunderbare Blicke auf Stadt und Hafen, in dem Fall auch noch auf unser Schiff.
Oben angekommen stärken wir uns bei wirklich grandioser Aussicht auf der Terraza Miramar, bevor wir uns auf den Weg zum Bahnhof Sants machen. Wir laufen durch Wohnstraßen, in denen es am Sonntag wuselt, auf jedem kleinen Platz sitzen die Menschen draußen, und wir kommen an etlichen kleinen und großen Straßenfesten vorbei. Außerdem sehen wir viele Frauen mit einer einzelnen Rose, vermuten schon Muttertag in Spanien, finden aber später heraus, dass es sich um den Feiertag zu Ehren St. Jordi handelt, Schutzheiliger Kataloniens. Zudem wird der Tag des Buches und der Verliebten begangen, an dem Frauen ihrem Auserwählten ein Buch schenken und er ihr eine Rose.
Regionalzüge nach Tarragona fahren zwar halbstündlich, sind an diesem Sonntagabend aber dennoch gut gefüllt, Sitzplätze gibt es keine mehr. Nun denn, uns war bewusst, dass es am Sonntagabend eng werden könnte. Entlang der Küste gibt es dennoch den einen oder anderen schönen Ausblick.
In Tarragona finden wir die typische Küstenkonstellation Strand, Straße, höher gelegener Ort, hier in Extremausprägung mit zusätzlicher Bahntrasse. Man hat aber eine große Brückenkonstruktion für Fußgänger erbaut, die sich in mehreren Zweigen zur Stadt und am Strand entlangwindet.
Unser Hotel Astari ist einen kleinen Fußweg entfernt, den wir an der Straße zurücklegen — nicht soo attraktiv, aber wir stellen später fest, dass wir auch die hochgelegene Promenade hätten nehmen können. Das Zimmer ist frisch modernisiert und praktisch, mit Blick auf den (unbeheizten, brr) Pool, sehr schön.
Mangels Lust zu einem weiteren Spaziergang speisen wir im Hotelrestaurant. Die Bedienung ist zwar vollkommen überfordert mit der Versorgung vom 4 oder 5 Tischen, das Essen schmeckt aber gut, das genügt uns. So gestärkt reicht die Kraft noch für einen Gang zur Hochpromenade und auf Stippvisite in die Altstadt — Tarragona präsentiert sich sehr ruhig und unaufgeregt.