Am Morgen nehmen wir quasi dasselbe Frühstück ein wie am Vortag, Alfonso und AC Hotels haben wohl denselben Caterer, inklusive Padmaschine und Discounter-Marmeladenpäckchen.
Zwei Buslinien bedienen den Bahnhof sehr regelmäßig, wo wir es noch schaffen, Tickets für den Schnellzug nach Málaga am nächsten Tag zu buchen. Das bevorzugte Ziel Granada war schon ausgebucht für Interrailer, darauf hatten wir uns innerlich schon eingestellt. Die Línea Cercanía 2 (oder 8) bringt uns in einer Stunde nach Madrid, Interrail gilt, auch wenn die Züge in der Railplanner App nicht gefunden werden. Die Strecke ist wie erwartet eher von Industriegebieten geprägt, wir nähern uns einer geschäftigen Millionenstadt.
In Puerta de Atocha angekommen orientieren wir uns erst einmal und versuchen, am Ticketschalter die Reise von Málaga nach Granada am Freitag zu organisieren — das scheitert jedoch am Zeitrahmen, denn obwohl wir nach dem Nummernziehen erstmal unser Gepäck zum „Luggage store“ außerhalb des Bahnhofs bringen, sind wir bei der Rückkehr noch immer nicht dran und brechen schließlich den Versuch ab. Das Warteticket übergebe ich an einen Engländer, der etwas „clueless“ umherirrt und den ich zunächst für einen Vordrängler halte. Die verrückte Fortsetzung der Anekdote: Als wir später in den Zug nach Toledo steigen, sitzen wir direkt vor demselben Briten, der berichtet, dass er noch weitere 45 Minuten warten musste, nur um dann zu einem anderen Schalter geschickt zu werden, wo noch mal Warten angesagt war — schon totally crazy für eine Zugfahrt von 30 Minuten Dauer …
Wir schaffen es mit einem kleinen Spaziergang zum Museo del Prado (bisschen entschleunigt durch Blasenmalaise an einem von vier Füßen), und lassen uns von den Originalen der Alten Meister wie Rubens, Tizian, Hieronymus Bosch, Goya, Gisbert und vielen anderen beeindrucken. Allein die Dimensionen mancher Werke sind überwältigend. Nach einem kleinen Kaffee und überteuertem Zitronentörtchen geht es zurück zum Bahnhof Atocha.
Den Ticketschalter lassen wir gleich links liegen, stattdessen werfen wir einen Blick in die Palmenhalle, erfrischen uns mit einem Bier und gehen dann zum Check-in-Bereich für unseren Schnellzug — die Anzeigen sind in dieser Hinsicht ausnahmsweise klar und deutlich, wir müssen zum Check-in Planta Baja, den wir ohne lange Schlange, aber mit „echtem“ Security-Check passieren. Das Gleis wird wie immer erst kurz vor Fahrtantritt bekanntgegeben, die Tickets bzw. Reservierungen werden streng kontrolliert. Im Zug geht es dann wie immer sehr entspannt zu, die Fahrt vergeht wie im Fluge.
In Toledo angekommen wird sofort klar, dass wir nun wieder tief in die Vergangenheit eintauchen. Vom Bahnhof aus blickt man schon hoch auf die altehrwürdige Stadt, und wir sind froh, schnell rauszufinden, welche Buslinien uns ans Ziel mitten im Altstadtgewusel bringen. Es herrscht schon touristischer Hochbetrieb, man mag sich kaum vorstellen, wie es in der Hochsaison aussieht.
Unser „Sercotel Granada“ ist ein sehr uriges Haus, mit vielen wuchtigen Holzmöbeln und der einen oder anderen Ritterrüstung, inklusive Don Quichote vor der Eingangstür. Unser Zimmer eröffnet von Balkon und Terrasse einen großartigen Ausblick auf die Stadt, die Kathedrale sowie einen gegenüberliegenden Hügel. Das Ganze hat für uns eine entfernte Anmutung von Matera mit all den Sandsteinbauten auf verschiedenen Ebenen.
Nachdem wir am Bahnhof nicht daran gedacht haben, uns wegen Reservierungen von Málaga nach Granada zu erkundigen, versuche ich es telefonisch und gerate wieder an einen sehr netten Mitarbeiter, der tatsächlich eine Vorreservierung für Interrail-Reisende machen kann. Mit dem mitgeteilten Code muss man dann aber bis spätestens 24 Stunden vor Abfahrt zu einem Ticketschalter gehen, um sich zu identifizieren und Ausdrucke in Empfang zu nehmen. Nun denn, immerhin haben wir die Reservierungen sicher.
Da heute ohnehin nur noch Essen gehen ansteht, beschließen wir, direkt noch zum Bahnhof zu fahren, in der Hoffnung auf kurze Warteschlangen. Das trifft zu, wir erhalten tatsächlich die Reservierungen und ziehen von dannen (allerdings um einen kleinen Faltrucksack ärmer, wie sich später herausstellt, zum Glück ohne jeden wichtigen oder schmerzlich vermissten Inhalt).
Wir finden ein kleines Lokal, in dem wir uns ein Probiermenü verschiedener spanischer Spezialitäten servieren lassen — durchaus lecker und günstig, aber auch nichts für die Merkliste.