Das Frühstück fällt unerwartet auswahlreich aus, auch wenn der Kaffee aufgrund einer Maschinenhavarie mit Verspätung kommt. Das Preis-Leistungs-Verhältnis  stimmt auf jeden Fall, so günstig haben wir lange nicht übernachtet. 

Im Anschluss machen wir uns auf einen Spaziergang durch die Altstadt, die in Teilen wie ein vergrößertes Mostar wirkt, an anderen Stellen aber auch wie eine moderne Großstadt. 

Die Berge ringsum laden eindeutig zum Wandern ein, und im Winter ist es sicher auch sehr schön. 

Konkrete Informationen zum ÖPNV sind schwer zu kriegen jenseits von „kauf in der Tram” ( nur bar oder geht auch Karte?). Nicht mal die zwei Linien sind klar zu erkennen/zu differenzieren. 

Aber es gelingt uns schließlich doch, die Linie 3 Richtung Busbahnhof zu besteigen — dass die Linie 1 in Form eines 1-Waggon-Museumszuges direkt vor dem Bahnhof hält, erkennen wir erst genau dort, nach einem weiteren kleinen Spaziergang. Naja, sitzen werden wir heute im Bus nach Zagreb noch genug. 

Am Busbahnhof angekommen überrascht man uns mit einer Check-in-Gebühr, und am (Flix-)Bus selbst mit einer Gepäckgebühr … beides findet sich als „Option an einigen Stationen” im Kleingedruckten des Tickets, nun denn, irgendwie muss der “automatische” Zugang zum Bussteig ja bezahlt werden. 

Der Bus selbst ist etwas moderner als auf der Fahrt nach Mostar, aber auch hier ist Steckdose Fehlanzeige und WLAN nur lückenhaft vorhanden. 

Der Bus rollt (naja ehrlich gesagt rumpelt) immerhin bei Sonnenschein durch idyllische Landschaften, zum Teil aber auch sehr ärmliche Gemeinden. Gefühlt ist aber auch überall gerade sehr viel „im Bau”.

Angesichts des Zustands und Füllgrades der Straßen fragt man sich schon, warum man nicht in ein leistungsstarkes Bahnnetz, das zum Teil ja schon existiert, investiert. So schleppt sich ein Dauerstau durch die Orte. 

Wir bekommen teils grandiose Ausblicke geboten, aber zum Teil auch halsbrecherische Kurvenfahrten durch die hügelig-bergig-waldige Landschaft.

Vor Banja Luka wird es richtig wildromantisch, entlang des Flusses Vrbas. Hier ist es durchaus eine Sightseeing-Tour, wenn auch der ruckeligen Art. 

Hinter Banja Luka wird es ziemlich plötzlich flach, die Berge rücken in die Ferne. Der Bus kämpft sich weiter über die Landstraßen, auch da, wo quasi parallel die Autobahn verläuft — die Fahrerstunde ist wohl billiger als ein paar Kilometer Maut …

Und es verschwinden die Minarette aus dem Ortsbild, stattdessen scheint in diesem Teil der Republika Srpska jedes Dorf seine eigene christliche Kirche in Schuss zu halten.

Zum Sonnenuntergang erreichen wir die Grenzstation nach Kroatien. 

Same procedure wie von Kroatien nach Bosnien Herzegowina, allerdings bei der Ausreise ohne persönliches Anstellen, stattdessen Einsammeln von einem Teil der Ausweise. Nach Kroatien rein mussten allerdings alle aussteigen und Ausweise zeigen. 

Ab hier geht es zackig voran, wir rollen über die Autobahn — Vermutung: In Bosnien war keine Einigung mit dem Mautbetreiber zu erzielen, weshalb die Busse sich über die Nebenstraßen quälen. 

Zagreb erreichen wir bei Dunkelheit. Immerhin finden wir hier einen auch um 21 Uhr noch belebten Bahnhof vor, der mit Abfahrts- und Ankunftsanzeigen und Aushängen zu den täglichen Zügen aufwartet. Wir sind begeistert. 

Der Weg vom Bahnhof in die Innenstadt, wo unser Hostel liegt, erinnert schon mal leicht an Triest bzw. die Habsburger, mit imposanten Bauten und einem langgestreckten Grünzug, vielversprechend. 

Die Sorge, noch etwas zu essen zu bekommen, hätten wir uns sparen können, das Viertel brummt nur so vor gut besuchten Lokalen, Altersdurchschnitt 20 …

Für uns endet der Abend an dieser Stelle, mal schauen, was der nächste Tag bringt.