Ein früher Spaziergang durch die Altstadt vor dem Frühstück sorgt dafür, dass ich Fotogelegenheiten mit sehr wenigen bis gar keinen Leuten finde — ein paar frühe ambitionierte Fotografen sind allerdings auch schon unterwegs, die tatsächlich vereinzelt mit gezischten „Anweisungen” versuchen, sich den gewünschten Standort freizuräumen.
Das Frühstück ist überraschend: Uns werden am Tisch viele kleine Teller und Töpfe serviert, gefüllt mit Herzhaftem und Süßem, von Schinken, Käse und Birnen bis hin zu Paprikacreme, Gurken und Oliven, dazu Weißbrot. Mal ganz was anderes und sehr lecker!
Bei Tageslicht sieht man an vielen Ecken, dass es an einem ganzheitlichen Konzept für den Tourismus-Hotspot mangelt — dicht gedrängt stehen die vielfach identischen Shops nebeneinander, für die Werbungsgestaltung scheint es wenige Vorschriften zu geben.
In der Altstadt brummt das Geschäft, schon kurz dahinter sieht es teils doch sehr ärmlich aus … ein Kontrast, der aktuell wohl nur schwer aufzulösen ist.
Wir kommen zufällig gerade rechtzeitig ans Flussufer, um einem Brückenspringer zunächst beim Geldeinsammeln und anschließend beim Sprung ins Wasser zu bestaunen, und kurz danach ertönt der Ruf der Muezzine von diversen Minaretten.
Ein netter Mitarbeiter in unserem Hotel hat zwar für uns herausgefunden, dass der Zug nach Sarajewo heute um 17:09 Uhr fahren sollte (einer von zwei Zügen am Tag!), aber wir spazieren dennoch einmal zum Bahnhof, um das zu verifizieren.
Das Bahnhofsgebäude ist so riesig und dominant wie das Angebot darin minimalistisch bis nicht existent. Abgesehen von einem gerade nicht besetzten Ticketschalter (Pause) gibt es düstere, heruntergekommene Bahnhofscafés und sonst gar nichts. Immerhin entdecken wir einen Zettel, auf dem 17:09 Uhr als Abfahrtzeit zu entziffern ist …
Eine Führung haben wir hier irgendwie verpasst, sodass wir einfach ein bisschen „hinten rum” durch die Stadt laufen, bis zum Friedensglockenturm und zurück in die Altstadt.
Kaffee und Kuchen sind nicht wirklich leicht zu finden, aber schließlich glückt uns auch das.
Da es zu nieseln anfängt bahnen wir uns den Weg zu unserem Hotel und machen es uns im Restaurant bequem, bis es Zeit zum Aufbruch ist. Der Weg „hinten rum” führt vorbei an Relikten aus dem Krieg, aber auch an einem
ganzen Gebäudeensemble mit wunderschönen Wandgraffitis.
Der Bahnhof ist tatsächlich zum Fremdschämen schäbig — der Mitarbeiter am Schalter, wo man das online bestellte Ticket abholen muss (Aushändigung eines Kassenausdrucks sowie Durchschriftblatt gegen Unterschrift in einer handschriftlich erstellten Liste) sieht auch schon ganz depressiv aus.
Der Zug selbst ist dann immerhin ein einigermaßen moderner Talgo, wobei die digitalen Anzeigen außer Funktion sind. Dank dem Man in Seat 61 (seat61.com) wissen wir, dass man auf der Strecke von Mostar nach Sarajewo rechts sitzen sollte, und trotz recht großem Andrang erobern wir auch passende Plätze.
Das ausnahmsweise regnerische Wetter und die dreckigen Scheiben verhindern weitestgehend das Fotografieren, aber der Blick auf die schroffen Hügel, durch die der Fluss Neretva sich schlängelt, ist trotzdem immer wieder hinreißend.
Sarajewo erreichen wir nach Sonnenuntergang, an einem Bahnhof, der einer Hauptstadt auch nicht so ganz würdig ist. In der Stadt nehmen wir erstmal hauptsächlich breite dunkle Straßen wahr, auf denen Fußgänger keine besonders große Rolle spielen. Auch am Fluss verläuft eine vierspurige Straße.
Das Hotel Astra ist einfach, aber funktional, wir werden nett empfangen, passt. Ebenso die Pizzeria BarSa schräg gegenüber, die uns köstliche Pizza in richtig nettem Ambiente serviert. Bestens!
Eine Runde um den Altstadtblock später ist dann auch schon die nötige Bettschwere erreicht.







































