Die Nacht ist erholsam, sodass wir nach dem diesmal ordentlich am Tisch servierten Frühstück frisch in den Tag starten. Wir bringen unsere Rucksäcke in einem der zahlreich vorhandenen Schließfächer unter und orientieren uns allgemein in dem riesigen Bahnhof.

Draußen ist es momentan noch so trübe und kalt, dass wir auf die Idee zurückkommen, einen kleinen Abstecher nach Bratislava zu machen — das verschafft uns eine Stunde mehr im warmen Zug, allerdings in Bratislava auch einen länglichen Spaziergang vom Bahnhof Petrzalka in die Altstadt. Dafür bietet sich uns von der Donaubrücke ein toller Blick auf die Burg Bratislava (Pressburg).

Nach einer kurzen Kaffeepause wandern wir ziellos-neugierig durch die schön hergerichteten Straßen und Gassen und hoch zur Burg. Die Sicht ist zwar an diesem Tag nicht wirklich grandios, aber es erschließt sich dennoch sofort, warum die Burg auf diesem Hügel gebaut wurde.

Neben der Burg hat das slowakische Parlament seinen Sitz mitsamt öffentlich zugänglichem Parlamentsrestaurant mit Blick auf die Donau. Das nutzen wir dann gleich mal, um ein günstiges (und leckeres!) Mittagessen zu uns zu nehmen. Da wir uns zwar über die Zugabfahrtzeiten informiert, den Weg zum Hauptbahnhof aber unterschätzt haben, wird unser Schritt vorbei an dem einen oder anderen Relikt aus sozialistischer Zeit immer zügiger, je näher die Abfahrtzeit rückt, bis wir kurz vor knapp die Treppe hoch- und in den nächsten Waggon stürzen. Was tut man nicht alles, um eine Stunde mehr Zeit in Wien zu gewinnen.

Da die zwei Bahnhöfe von Bratislava unterschiedliche Strecken bedienen, wird die Tour — inzwischen bei Sonnenschein — zu einer Rundfahrt auf beiden Seiten der Donau. In Wien angekommen machen wir uns auf den Weg zum Stephansdom, vorbei am Belvederegarten und über den Karlsplatz. Wir werfen einen kurzen Blick hinein in die überbordend (um nicht zu sagen überladen) ausgestattete Kirche und ergattern im Anschluss zwei Plätze im Café Schwarzenberg.

Einen Tee/Kaffee und ein Stück Esterhazy-Torte später beschließen wir, noch einen ganz profanen Kauf zu tätigen, nachdem unsere Powerbank (vermeintlich, wie sich später herausstellen wird) den Geist aufgegeben hat. So spazieren wir vorbei am Kurhaus Hübner zum nächstgelegenen Mediamarkt und besorgen nebenbei noch etwas Proviant für den Zug.

Gerade als wir überlegen, wie wir eine gemütliche Kneipe ausfindig machen könnten, um die drei Stunden bis zur Abfahrt zu überbrücken, fällt unser Blick noch einmal auf ein Plakat zur aktuellen Dürer-Ausstellung im Museum Albertina: Freitag bis 21 Uhr geöffnet ... Wenn das kein Zeichen ist, der Zug fährt schließlich erst um 22 Uhr! Kurzentschlossen geht es zurück zum Karlsplatz, an der Oper vorbei zum an sich schon beeindruckenden Museumsgebäude. Tickets kaufen, Audioguide holen, und schon tauchen wir ein in die Welt von Albrecht Dürer, dessen Werke im Original eine schlicht unbeschreibliche Wirkung entfalten. Vom Selbstbildnis im Alter von 13 Jahren bis hin zu seinen späten Gemälden und Porträts steht man nur staunend vor so viel Detailgenauigkeit und Ausdruckskraft ... unfassbar.

Nach einem Abstecher in die ständige Ausstellung, die mit Picasso und Co. durchaus auch mal etwas mehr Zeit verdient hätte, genießen wir am Bahnhof noch ein Abschiedsbier und steigen dann in den letzten Nachtzug dieser „Kompaktkulturreise“, der uns störungsfrei zurück nach Berlin bringt.