In dieser Nacht bleibt es tatsächlich noch heller als in der davor, die Mittsommernacht naht. Wieder rollt der Zug gemächlich und ruhig durch die Nacht (mit uns im identischen Schlafabteil wie in der Vornacht). Schlafen funktioniert daher ganz gut, aber früh am nächsten Morgen lockt mich auch schon wieder der Blick auf die immer rauer werdende Landschaft. Schließlich gleiten wir direkt am wildmalerischen Luonosjåhnkå entlang, an dessen Ufer noch Schneefelder zu entdecken sind.
Je weiter nach Norden wir kommen, desto bergiger wird es, der Zug erklimmt ganz beträchtliche Höhen, wir rollen teils durch Wolkenfelder. Vor Bodø wird es immer sonniger, und der Skjerstadfjord wartet mit grandiosen Blicken auf — spiegelglatte Wasserflächen vor Wald- und Gebirgspanorama, Klischee pur, nur in echt noch mal extra beeindruckend!
Zur Frühstückszeit gibt es Kaffee umsonst für Schlafwagengäste, dazu gönnen wir uns einen Zimtknoten und Schinkenkäsebrötchen, passt. In Bodø angekommen legen wir gleich am Bahnhof im Café „Lokführer“ einen Einrichtungsstopp ein: Kleidung sortieren, Schuhe wechseln (Sandalen reichen!) und noch mal frühstücken.
Dann schließen wir wieder unsere großen Rucksäcke ein, nehmen die “Babysäcke“ mit und spazieren in die Stadt, Richtung Sentrumsterminalen, wo am Abend die Fähre abfahren soll. Der Weg dorthin ist aufgrund einer Straßenbaustelle nicht wirklich intuitiv, Schilder fehlen völlig, aber mit kleinem Umweg und Fragen finden wir dann doch den Eingang, nämlich den zu Café und Restaurant, hinter dem sich auch der Ticketschalter befindet … nun denn, mit dem Ticketkauf für die Fähre nach Svolvær auf den Lofoten klappt es dann sehr schnell, Ziel erreicht. (Online könnte man auch buchen, bei reisnordland.no, aber wir wollten uns sowieso orientieren.)
Im Anschluss stromern wir durch die Stadt, die sehr aufgeräumt und irgendwie „sachlich“ daherkommt, aber auch einige architektonisch bemerkenswerte Bauten aufweist, zum Beispiel die Domkirke. Von außen wirkt sie fast abweisend und liegt förmlich schwer und kühl neben einem geradezu transparent wirkenden Turm, aber drinnen ist sie so kunstvoll und dabei schlicht gestaltet, dass man nur staunen kann. Der heutige Bau ist nach der vollständigen Zerstörung im 2. Weltkrieg aus einem Architekturwettbewerb in den 1950er Jahren hervorgegangen und wirklich mal ein gelungenes Beispiel für dieses Baujahrzehnt.
Ein Kantor macht uns darauf aufmerksam, dass in Kürze ein kleines Orgelkonzert beginnen wird, und so lassen wir uns spontan nieder und hören zu — der Organist schließt nach 20 Minuten mit Vivaldis Sommer und entlässt uns in den dazu passenden strahlend sonnigen Nachmittag.
In mittlerweile guter Tradition suchen wir uns als nächstes eine Buslinie, die irgendwie „raus“ führt und landen in der Linie 1 nach Björndalslia, einem Wohnviertel hoch über der Küste. Ein schöner Waldweg führt bergab in Richtung Mørkwed, wo wir wieder in den Bus gen Bodø steigen — kein spektakulärer, aber dennoch interessanter Ausflug in den lokalen Alltag. Für diese Fahrt nutzen wir die App der Nordland Banen, was schnell geht und zudem 20 Kronen günstiger ist als beim Busfahrer — hätten wir das doch schon auf der Hinfahrt gewusst, die uns pro Person 64 Kronen für 75 Minuten gekostet hat …
Zurück in der Stadt besorgen wir uns vorausschauend eine Picknickausststattung mit Brot, Käse, Salami und Gemüse, um später nicht auf die Fährenküche angewiesen zu sein und nach der späten Ankunft in Svolvær auch noch etwas zu haben. Wir holen die Rucksäcke aus dem Schließfach, wandern zum Terminal und suchen uns eine schöne Bank zum Verweilen und später Picknicken. Der Check-in zum Expressboot nach Svolvær funktioniert reibungslos, wir finden Fensterplätze im großzügigen Kabinenraum und haben freien Blick durch die großen Fenster.
Ab jetzt jagt ein spektakulärer Ausblick den nächsten, die Inselwelt ist schlichtweg gigantisch. Jede der bewohnten Inseln, von denen wir einige auf der Fahrt ansteuern, scheint ihren ganz eigenen Charakter zu haben, vielfach mit Hügeln oder Bergen, auf denen gewandert werden kann, aber es gibt auch zahllose unbewohnte Inselchen, die nur knapp aus dem Wasser ragen. Und im Hintergrund immer das Hochgebirge mit Schnee und Gletschern. Einfach zum Staunen und Genießen!
Als Dreingabe bekommen wir kurz vor den Lofoten sogar noch Gesellschaft von ein paar Delphinen, die munter neben dem Schiff herschwimmen. Was für ein Geschenk!
Wir kommen pünktlich um 21:30 Uhr am belebten Pier von Svolvær vor malerischer Bergkulisse an. Unser Hotel ist hier ein etwas jenseits des Trubels gelegenes, eher schlichtes B&B mit dem interessanten Detail eines WCs im Duschbereich. Nun denn, sauber ist alles, es gibt einen Kühlschrank und eine Küche zur Benutzung, da wollen wir mal nicht meckern (ok, die rieisge Kühlgefrierkombination ist eher Overkill und heizt das Zimmer zusätzlich auf, aber für unsere Vorräte kommt sie uns gerade recht).
Einen Mittsommer-Mitternachtssnack nehmen wir der Einfachheit halber vor dem Hotel ein, für mehr fehlt die Energie. Die Atmosphäre ist allerdings tatsächlich irgendwie mystisch, das Licht anders als sonst.






































