Der Zug rollt ruhig durch die Nacht, sodass tatsächlich ein paar Stunden Schlaf zusammenkommen, bevor wir um 6:24 Uhr Trondheim erreichen. Am Bahnhof hat ein Kiosk zum Glück schon geöffnet, mit Kaffee/Tee und Sandwich bzw. Zimtknoten klappt der frühe Einstieg in den Tag.
Die Stadt macht sich mit ihrer maritim-entspannten Atmosphäre sofort bei uns beliebt; die „Nicht-Wuseligkeit“ tut nach den Tagen in Metropolen richtig gut. Wir machen es uns im Café Dromedar nach kurzem Spaziergang noch mal gemütlich, sortieren uns kleidungsmäßig für den Tag (Sandalen und Sommerkleidung sind angesagt bei wunderbaren 23 Grad).
Danach schließen wir die Rucksäcke am Bahnhof ein und dringen tiefer in den Ort vor, mit Ziel Nidarosdom. Die Kathedrale aus dem 12. Jahrhundert ist wahrhaft monumental von außen und von wunderbarer Schlichtheit mit raffinierten Säulenkonstruktionen und optischen Effekten innen.
Im Anschluss geht es zu Fuß zur Kristiansten Festning, einer Festung, die zum Schutz der Stadt im 17. Jahrhundert errichtet, mehrfach erweitert und im 2. Weltkrieg von der deutschen Wehrmacht besetzt wurde. Der Gedenkort für die dort von den Nazis hingerichteten Widerstandskämpfer macht Geschichte sichtbar.
Der Blick auf die Stadt von hier oben ist herrlich und noch dazu kostenlos, was will man mehr. Der Weg zurück führt durch typisch farbenfrohe Altstadtstraßen und über die Gamle Brybo, die Alte Brücke. Vorher genehmigen wir uns aber noch einen Kaffee mit Mandelcroissant in einer Kaffeerösterei.
Als es kurz darauf zu nieseln anfängt, steigen wir kurzerhand in einen der schicken Elektro-Doppelgelenkbusse ein, der uns auf den der Festung gegenüberliegenden Berg in den Stadtteil Halmsted bringt, in dem man in nicht ganz so malerischen, aber dennoch sicher nicht eben preisgünstigen Häusern lebt. Die Tickets waren schnell besorgt über die Anbieter-App Atp, die man auch ohne umständliche Registrierung bedienen kann.
Durch das Wohnviertel spazieren wir bei wieder sonnigem Himmel zur nächstgelegenen Tramstation, die — ganz Kontrast — im Retrolook daherkommt. Wir steigen an der Station Skansen aus, um von dort die autoverkehrsfreie Hafenpromenade mit wunderbarem Blick auf den Fjord entlangzuwandern. Es wird an verschiedenen Stellen sogar gebadet.
Hinter dem Bahnhof findet sich ein ganzes Ensemble moderner Architektur, das dank seiner Vielfalt irgendwie doch gefällig ist. Prominent am Pier liegt das „Pirbadet“, ein Familien- und Spaßbad, das uns prompt auf die Idee bringt, unsere Badesachen aus dem Schließfach zu holen und zwischen zwei Nachtzugreisen ohne Dusche das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden und eine Runde zu schwimmen.
Gesagt, getan, kurz darauf sind wir schon drin im Bad. Zwar sind alle Becken bis auf eines für das „Rundenschwimmen“ gnadenlos überheizt, aber es ist nicht zu viel los, sodass wir uns frei bewegen und unsere Bahnen ziehen können. Für Familien und Kinder ist das Bad ideal, mit diversen Becken für Kleinkinder, Schwimmschule, Babies, aber auch einer Rutsche für die Größeren und einem Bahnenbereich für Vereinstraining. Der Ausblick auf den Fjord ist ein atmosphärisches Extra.
Hinterher wandern wir auf gut Glück noch mal in die Stadt und landen in „Egons Restaurant“, das einen schönen Außenbereich hat. Die kunterbunte Karte irritiert uns zunächst ein bisschen, aber schon bei der Bruschetta-Variante vorweg merken wir, dass der Koch weiß, was er tut. Dazu gönnen wir uns ein gezapftes Bier (teurer als in Deutschland, aber nicht so extrem, wie allgemein beschworen wird).
Das Lokal hat einen riesigen, über mehrere Ebenen verschachtelten Innenraum mit uriger Holzeinrichtung und einem gigantischen Barbereich. Gut gesättigt streifen wir im Anschluss noch einmal durch die Stadt und fühlen uns irgendwie an Inverness erinnert, was aus unserer Sicht ein absolutes Kompliment ist.
Nach dem Einchecken im Nachtzug um 23:05 Uhr (!) erleben wir ein phantastisches Farbenspiel am Horizont über dem Fjord, an dem man sich gar nicht sattsehen mag — und es ist für die Uhrzeit einfach unfassbar hell …










































