Heute heißt es früh raus aus dem Bett, denn der Zug nach Oslo fährt schon um 6:04 Uhr ab. Da ist die Lage des Hotels direkt gegenüber vom Bahnhof tatsächlich ideal. Zum Aufwachen gibt es dank Wasserkocher auf dem Zimmer Tee und Kaffee, eine Thermoskanne Kräutertee mit einem unserer zu Hause vorbereiteten Beutel nehmen wir mit. So präpariert besteigen wir den reservierungspflichtigen IC, den wir online bei der schwedischen Bahn vorgebucht hatten, das ging sehr komfortabel. 

Wir holen uns auch gleich das bei der Reservierung mit bestellte Frühstück — eine ganz nett zusammengestellte Auswahl, vom Brötchen mit Marmelade und Butter über ein Schälchen mit Ei, Tomate, Paprika und eine Scheibe Käse sowie eine Scheibe Schwarzbrot bis hin zum Joghurt mit einem Beutel Müsli und Apfelsaft. Dazu Tee oder Kaffee, wie wir später feststellen sogar mit kostenlosem Refill am Automaten, der tatsächlich ordentlichen Kaffee produziert. Das Ganze für gut 6 Euro, das hatten wir so nicht erwartet. 

Die Fahrt geht wieder durch viel Landschaft, mit den typischen kleinen Ortschaften, viel Wald und Wasser. In Kil haben wir eine Dreiviertelstunde Aufenthalt, sodass man sich die Beine etwas vertreten kann — währenddessen ziehen diverse Güterzüge vorbei, viele ganz klassisch mit Baumstämmen beladen. 

Der Grenzübergang nach Norwegen erfolgt angemessen fliegend, ich erwische mit der Kamera nur etwas, das wie ein überdimensionaler Grenzstein aussieht, sich aber nach kleiner Recherche als Friedensdenkmal direkt auf der Grenze zwischen Schweden und Norwegen entpuppt (bei Morokulien).

Oslo empfängt uns in einem hochmodernen, großen Bahnhof, an dem wir erst die Rucksäcke in einem der zahlreich vorhandenen Schließfächer verstauen und uns dann mit einem herzhaften Baguette versorgen, weil wir zwischenzeitlich beschlossen haben, direkt eine Fahrt durch die Fjorde mit einem E-Boot zu machen. 

Der Weg zum Anleger führt vorbei am architektonisch eindrucksvollen Operngebäude zu einem riesigen stromgetriebenen Boot, das quasi geräuschlos durchs Wasser gleitet — immer noch faszinierend und viel zu selten. Vorbei an zahlreichen kleinen Inseln mit den typischen Hütten und entlang der Küste bietet die Fahrt tolle Ausblicke auf Stadt und Fjorde. 

Nach eineinhalb Stunden sind wir wieder an Land und entscheiden uns für eine Tram-Fahrt zum Holmenkollen mit der legendären Skisprungschanze. Tickets dafür sind überraschend komplex in der Beschaffung, Hinweise schwer zu finden, trotz freundlicher auskunftsbereiter Menschen. Schlussendlich lade ich die #Ruter-App und kaufe Tickets, nicht ohne Zweifel bei der Identifikation der Zone, aber am Ende erfolgreich. 

Schon die Fahrt zum Holmenkollen ist richtig schön, und oben bieten sich wieder ganz neue Ausblicke auf die Stadt. Die Schanze ist aus der Nähe betrachtet geradezu furchteinflößend hoch, die Hänge viel steiler und schmaler, als es im Fernsehen aussieht … unglaublich, dass man es für eine gute Idee halten kann, sich da runterzustürzen!

Anschließend fahren wir wieder runter in die Stadt und machen uns so langsam auf die Suche nach einem Restaurant fürs Abendessen. Im Stadteil Aker Brygge tobt vor den interessanten Lokalen der Bär, und wir können uns nicht dazu durchringen, uns in eine Schlange einzureihen, sodass wir uns vorbei an der Festung Akershus und durch die Altstadt wieder Richtung Bahnhof bewegen. Es bieten sich immer wieder interessante Kontraste von Alt und Neu, die der Stadt einen ganz eigenen Charakter verleihen. 

Am Bahnhof müssen wir uns doch noch kurz vor dem Restaurant Olivia anstellen, sitzen aber bald darauf glücklich an einem Tisch und bestellen Antipasti und Pizza. Zum Glück haben wir es so überhaupt nicht eilig, ganz im Gegenteil, sodass es uns gar nichts ausmacht, ziemlich lange warten zu müssen, sowohl auf eine Bedienung, die die Bestellung aufnimmt, als auch auf das eigentliche Essen, das dann aber durchaus schmackhaft und genau das Richtige für unseren herzhaften Appetit ist. 

Danach bleibt noch Zeit, einmal über das Dach der Oper zu wandeln, das mit seinen schrägen Flächen genau dazu einlädt. Einzigartig, mit wunderbarem Blick auf Stadt und Wasser. Möwen sind hier allgegenwärtig, gelegentlich auch der frechen Art, wie wir schon beim Essen beobachten konnten. 

Zurück am Bahnhof befreien wir die Rucksäcke und können zeitig im Schlafwagen einchecken. Der Blick nach draußen ist recht eingeschränkt durch das relativ kleine Fenster, aber deutlich erkennbar wird im Laufe der Nacht die Tatsache, dass es um den 21. Juni herum hier oben einfach nicht dunkel wird …