Die Nacht ist entspannt, das Frühstück zwar alles andere als günstig, aber immerhin sehr lecker, gut in der Auswahl und mit qualitativ hochwertigen Produkten. Passt.

Viel Zeit haben wir bis zur Abfahrt nach Stockholm nicht, von daher schlendern wir gemütlich an den schon vorm Tivoli wartenden Schlangen vorbei zum Bahnhof. Der gefällt auch auf den zweiten Blick sehr gut mit seiner imposanten Holzkomstruktion. 

Schnell haben wir eruiert, wo unser erster Zug des Tages nach Göteborg abfährt, und nach pünktlichem Start sind wir schon bald heilfroh, auch in diesem Regionalzug Plätze reserviert zu haben, denn ab dem Flughafen Kopenhagen stehen etliche Menschen im Gang, und hinter Malmö wird es richtig voll — an einem Samstag.

Die Landschaft ist sanfthügelig und mutet in weiten Teilen norddeutsch an, wären da nicht die immer wieder hervorschimmernden typisch schwedischen Häuser mit rotbraun lackiertem Holz und weißen Firsten. Göteborg erreichen wir trotz eines kurzen Stopps mitten in einem Gewitter nahezu pünktlich, sodass etwas Zeit bleibt, einmal Luft zu schnappen und einen frischen Kaffee mit Kuchen zu genießen. 

Pünktlich geht es dann im reservierungspflichtigen IC der schwedischen Bahn weiter Richtung Stockholm, und mit dem ersten Kilometer ändert sich die Landschaft dramatisch — plötzlich wird es „typisch schwedisch“, mit bunten Holzvillen, immer wieder Wasser und jeder Menge Landidylle. 

Leider haben wir auf unseren „eigentlichen“ Plätzen nur einen höchst eingeschränkten Blick darauf, überhaupt gibt es zahlreiche Sitzreihen mit geringem oder gar keinem Fensteranteil …. Auf dem ersten Stück ist eine Reihe hinter uns mit besserem Blick frei, aber schon nach einer halben Stunde müssen wir zurück auf die „Halbblickplätze“. Nun denn, es gibt auch etliche Reihen komplett ohne Ausblick, insofern wollen wir uns mal lieber nicht zu sehr beschweren. WLAN funktioniert auch hier durchgängig einwandfrei …

Die Landschaft wechselt munter zwischen Wäldern, Seen und weitläufigen landwirtschaftlichen Flächen, immer wieder gespickt mit lauter kleinen Bullerbüs — Siedlungen mit drei oder vier Höfen, die sich aneinanderkuscheln. Aber man sieht auch die eine oder andere „tote“ Waldfläche, wobei der Grund dafür nicht klar erkennbar ist, denn wie Waldbrandflächen wirkt das meist nicht. 

Stockholm erreichen wir bei bedecktem Himmel, aber die Stadt gefällt auf Anhieb — großzügig, monumental und dennoch irgendwie freundlich. Von der Station Central wandern wir Richtung Hotel; der Weg führt uns direkt durch die Gamle Stan, die Altstadtinsel, mit verkehrsfreien (!) trubeligen Hauptwegen und winzigen Seitengässchen. Sehr sympathisch. 

Wir beziehen das erste von zwei außergewöhnlichen Quartieren in Stockholm, auf einem Schiff des Rygerfjord Hostels. Die Kabine ist schlicht, aber größer als erwartet, und bietet ein bequemes Stockbett. Der Ausblick aufs Wasser ist toll, das leise Schaukeln sorgt für extra Atmosphäre. 

Wir checken nur schnell ein und machen uns auf den Weg zur U-Bahn, der über den Mariaberget führt — überhaupt ist Stockholm ganz schön hügelig … Ob es der pure Hunger, der würzige Duft oder das nette Ambiente ist, lässt sich nicht mehr klären, aber am Tehran Grill kommen wir nicht vorbei — und werden mit köstlichem Essen belohnt, von den Spießen über die mitgereichten Salate und Saucen bis zum Brot. 

Wir stellen fest, dass das Viertel Södermalm insgesamt seinen ganz eigenen freundlichen Charakter hat, nehmen aber dann doch noch die U-Bahn rüber in die Altstadt. Ein Spaziergang zum Königspalast, durch weitere Gassen und über schöne Plätze rundet den ersten sehr positiven Eindruck von der Stadt ab.