Der Tag beginnt mit einem gemütlichen Frühstück und einem ausgiebigen Plausch, bevor es von Waltham über Watertown und Cambridge (mit seinen zahlreichen Universitäten wie MIT und Harvard) Richtung Boston zur Back Bay Station geht, wo wir uns von unseren herzlichen Gastgebern, die uns einen so tollen Ausgangspunkt in den USA geboten haben, verabschieden.
Die Orientierung im Bahnhof ist einfach, das Amtrak-Gleis schnell gefunden. Der Zug läuft pünktlich ein und imponiert allein schon durch seine Dimensionen. Wir werden am Schlafwagen in Empfang genommen und beziehen eine überraschend geräumige Kabine mit Waschbecken und kombiniertem Duschklo. Soweit alles bestens, die Reise kann losgehen.
Bis Albany verläuft die Fahrt reibungslos und führt durch eine vielfältige, sattgrüne Landschaft, die im Sonnenschein leuchtet. Das Tempo ist mal gemächlich, mal zügig, wir richten uns im Rhythmus der Bewegungen und Geräusche ein. In Albany sieht es zunächst nach einem normalen Ablauf aus, wir können den Zug während des Haltes verlassen, der auf 45 Minuten angelegt ist, um einen zweiten Zugteil anzukoppeln. Zur geplanten Abfahrtzeit tut sich allerdings nichts, die Mitarbeiter wandern über den Bahnsteig und teilen auf Nachfrage mit, dass mit einer Verspätung von mindestens 20 Minuten zu rechnen ist. Die dehnt sich dann allerdings auf eine Stunde aus, in der irgendwelche Probleme mit der Elektrik bearbeitet werden, mit geschäftigem Hin und Her zwischen den Zugteilen, die eigentlich längst gekoppelt sein sollten.
Schließlich sind aber alle Zugmaschinen betriebsbereit, alle Waggons verbunden, und es geht weiter. Gefühlt drückt der Lokführer erstmal kräftig auf die Tube, um die Verspätung aufzuholen — wir werden sehen, wie sich die Nacht entwickelt. Der Dinnerwagen befindet sich am Ende des angekoppelten Zugteils, sodass der Weg dorthin uns einen kleinen Spaziergang beschert, durch diverse Coach-Großraumwaggons mit Liegesitzen, die gar nicht mal soo unbequem aussehen. Wir sind trotzdem froh über unser Privatabteil.
Das Essen wird an geradezu festlich eingedeckten Tischen serviert, und auf Fotos kann man es wohl auch so aussehen lassen, als würden wir von Porzellan und mit „echtem“ Besteck essen, dabei handelt es sich um 100 % Einweg-Plastik, das einfach entsorgt wird. Schade. Die Essensauswahl ist recht vielfältig, wir entscheiden uns für Braten mit Rotweinsauce bzw. vegane Köfte auf Reis. Dazu gibt es einen kleinen frischen Salat und zum Dessert Schokokuchen oder Puddingtarte. Alkoholfreie Getränke sind komplett inklusive, ein alkoholisches Getränk kann zum Essen gewählt werden, wir entscheiden uns für Bier. Das IPA kommt zwar aus der Dose, schmeckt aber sehr gut.
Bei unserer Rückkehr steht unsere Begleiterin schon bereit und richtet die Betten. Dabei wird das untere Bett richtig breit, auch das obere bietet eine gute Liegefläche. Bei Laken und Decken reicht die Ausstattung nicht an die finnischen Nachtzüge mit ihrer perfekten Bettwäsche heran, aber die Decke ist warm genug, das Kissen ok, was will man mehr. Die Fahrgeräusche sind angesichts der Riesenmaschinen erstaunlich ruhig, es klappert kaum etwas, sodass einer erholsamen Nacht nichts im Wege steht.


































