So, an Tag 7 springen wir nun mit einem großen Satz nach Amerika, aber der Flug geht erst am Abend, und so können wir uns tagsüber noch in Reykjavik vergnügen. Wir verbinden das Spazierengehen an der (buchstäblich bei ca. 9 Grad) frischen Luft mit der Besichtigung der markanten Hallgrimskirche, die die Stadt überragt und komplett aus Beton errichtet wurde. Imposant und architektonisch hoch interessant und stimmig.
Von dort aus wandern wir zum Naturkundemuseum, das auf einem weiteren Hügel liegt und einen sehr schönen Blick über die Stadt und den Hafen bietet — neben der wirklich sehenswerten Ausstellung, einem Film über den letzten großen Vulkanausbruch nahe Reykjavik vor ein paar Jahren, einem Planetarium mit einer Präsentation zur Aurora Borealis und dem Nachbau einer Eishöhle aus echtem Eis. Schon alles sehr beeindruckend! Ein Besuch auf der Panoramaebene mit Kaffee und Kuchen darf natürlich nicht fehlen, bevor wir uns auf den Rückweg machen. Insgesamt hat die Stadt eine schöne maritime Atmosphäre mit freundlichen Menschen — und die Luft ist natürlich phantastisch!
Wir orientieren uns in Sachen Busfahrt zum Flughafen Keflavík und finden die Straetó-App, über die man die Zeiten erfährt und auch (wie wir meinen) Tickets buchen kann — so weit, so gut. Die passende Bushaltestelle zu finden, klappt auch noch, da der Standort am Rathaus relativ eindeutig positioniert ist und dort Linienpläne hängen. Dass die Zeiten zwischen App und Plan unterschiedlich sind — geschenkt, wir richten uns einfach auf die frühere ein. Auf dem Weg zum Hotel besorgen wir uns eine Portion Fish & Chips, holen dann unsere Rucksäcke im Hotel ab und suchen uns eine Bank zum Verspeisen — der Fisch ist frisch und lecker, passt.
An der Bushaltestelle irritiert uns die digitale Anzeige mit mächtigen Sprüngen in der Wartezeit. Mal 5 Minuten, dann plötzlich 18, irgendwann dazwischen kommt ein Bus an, der völlig anders aussieht als die bisherigen, ohne Anzeige über dem Frontfenster. Zum Glück sind wir clever genug, lieber genau hinzugucken, und tatsächlich unten in einer Ecke im Fenster die benötigte Linie zu entdecken. Der Fahrer bestätigt und wir steigen ein, nur um die nächste Überraschung zu erleben: Die erworbenen Tickets gelten nur im Stadtbereich Reykjavik, obwohl man von der Suche nach unserer Verbindung aus zum Kauf gelangte. Der Fahrer ist erprobt verständnisvoll, erklärt die Situation und gibt uns einen „Rabatt“, der in etwa dem Wert der schon gekauften Tickets entspricht. Später erfahren wir noch im Gespräch mit ihm, dass Tickets für Strecken außerhalb Reykjaviks ausschließlich im Bus erworben werden können — war mal anders, hat man aber wieder geändert, dabei nur vergessen, in der App entsprechende Hinweise einzufügen … Öffentlicher Nahverkehr at its best …
Die Fahrt dauert gut eine Stunde und führt durch verschiedene Wohngebiete, die zum Teil wie „hingeworfen“ wirken, ohne echten Ortscharakter. So richtig Charme hat das meist nicht, aber der Blick Richtung Wasser und Reykjavik ist immer wieder grandios. Wir sind zeitig am Flughafen und können in Ruhe unsere Rucksäcke in den Transportbeuteln verstauen und aufgeben und dann durch die typischen Flughafengeschäfte zum Wartebereich wandeln. Alles ist sehr modern und großzügig. Die Maschine von Iceland Air steht pünktlich bereit und hebt ebenso pünktlich ab, bei klarem Himmel und einem schönen letzten Blick auf Island.
Die Sitzreihen sind nicht ganz so eng wie befürchtet, der Flug verläuft bis auf eine ganz kurze Phase mit „Bitte wieder anschnallen“ sehr ruhig. Auf die Vorbestellung von Essen haben wir verzichtet. Das Entertainment-Angebot ist ganz schön groß und wir schauen kurz in den Barbie-Film rein, aber so recht gelingt uns beiden der Zugang nicht, sodass es doch die meiste Zeit beim Blick auf den Himmel und einem Hörbuch bleibt.
Wir kommen eine halbe Stunde früher an als geplant und sind auch schnell raus aus dem Flugzeug, aber die Schlange an der Passkontrolle ist erklecklich — jede Person wird gründlich kontrolliert und befragt, Fingerabdrücke abgeben will auch geübt sein und klappt nicht immer sofort, aber dafür entfällt eine Zollkontrolle komplett. Selbst das im Vorfeld bei der ESTA-Registrierung als so wichtig avisierte Zollformular muss nicht ausgefüllt werden.
Unsere zwei Rucksäcke stehen schon brav zusammen vor dem nicht mehr laufenden Gepäckband, und so sind wir schließlich knapp eine Stunde nach dem Touchdown „draußen“ bzw. mit Blick auf die USA natürlich „drinnen“. Die Abholung durch Betty und Al, bei denen wir die ersten zwei Nächte verbringen, klappt reibungslos, und es geht auf einer allerdings teilweise sehr staubelasteten Stadtautobahn nach Waltham, in der Hauptsache wegen Baustellen, an denen auch nachts durchgearbeitet wird.
In Waltham begrüßen uns die wahren Hausherren mit freundlicher Distanz und lassen sich gebührend bewundern — die zwei Main-Coon-Katzen sind wahre Schönheiten! Dafür, dass wir zeitlich 4 Stunden zurückgesprungen, unsere Körper aber bei 2 Uhr nachts angekommen sind, geht es noch ganz gut, aber „alt“ werden wir an diesem Abend trotzdem nicht mehr.




















