Salt Lake City passieren wir mitten in der Nacht im Schlaf, beim Aufwachen zum Sonnenaufgang fahren wir gerade durch Nevada, vor uns die Sierra Nevada, um uns eine Ebene umgeben von gebirgigen Ausläufern. Beim Frühstück sitzt uns diesmal ein junges Pärchen gegenüber, das aus Rochester, New York, erstmals nach Kalifornien reist, weil sie nicht fliegt. Ungewöhnlich für Amerikaner.
In Reno haben wir ausnahmsweise eine gute halbe Stunde Aufenthalt. Die Station ist eher unspektakulär, zeigt aber auf diversen Infotafeln einen ganz interessanten Abriss der Geschichte, wie Union Pacific in den 1990er Jahren den Betrieb der Linie übernahm. Durch den Tahoe National Park geht es noch mal in die Höhe, die Fahrt hat fast etwas Alpines. Bis Sacramento schlängelt sich der Zug im Schneckentempo durch die bergige Landschaft.
Ein letzter Frischlufthalt in Roseville vor Sacramento ist der Einstieg in den Sommer, der uns an der Westküste empfängt, mit 30 Grad und Sonnenschein. Entsprechend trocken und „ausgeblichen“ wirkt an manchen Stellen schon der Boden. Hinter Sacramento befinden wir uns dann plötzlich in fruchtbaren Ebenen mit Landwirtschaft, die wieder mal heimisch anmutet. Nur die bergige Landschaft im Hintergrund ist dann doch wieder fremd.
In Emeryville heißt es Umsteigen in den Amtrak-Bus nach San Francisco, der trotz unserer 45 Minuten früheren Ankunft bereitsteht. Eine halbe Stunde (und etliche tolle Blicke) später kommen wir am Transfer Terminal an und sind erst einmal überrascht, wie wenig im Business und Financial District los ist —, bis uns einfällt, dass heute ja Memorial Day ist.
Überraschenderweise ist es hier deutlich kühler als in Sacramento, der Wind pfeift auch ein wenig durch die Häuserschluchten. Den Weg zum Hotel an der Fisherman‘s Wharf gehen wir zu Fuß, sodass wir schon einen ersten Eindruck von der vielfältigen Stadt bekommen — und von ihren berühmten steil ansteigenden Straßen, die auf Fotos einfach nicht rüberkommen.
Das Hotel Riu Plaza Fisherman‘s Wharf ist ein großer Komplex in der Nähe des mehr oder weniger berüchtigten Vergnügungsviertels mit dem Pier 39. Wir werden freundlich empfangen und gleich mal mit einem Gratis-Upgrade auf eine Suite beglückt, als wollte man uns nach den Tagen im doch räumlich schwer beschränkten Zug etwas Ausgleich verschaffen. Jedes normale Zimmer hätte dafür natürlich auch genügt, aber bitte, wir nehmen dankend an.
Nachdem wir uns eingerichtet haben, spazieren wir zu besagtem Pier 39, auf dem tatsächlich mächtig Betrieb herrscht. Eine Attraktion ist das Nachtquartier der Seehunde, die sich in Scharen und lautstark abends auf Stegen und Plattformen sammeln. Ein echtes Schauspiel! Und einen Blick auf die Golden Gate Bridge erhaschen wir auch noch, wenn auch leicht verhangen.
Wir entscheiden uns zum Abendessen für das Restaurant Pier Market, was sich als Glücksgriff erweist: Fish & Chips und Fisch-Grillplatte sind frisch und lecker zubereitet, das Knoblauchbrot vorweg köstlich und das lokale Ale dazu äußerst schmackhaft. Da unterstützen wir doch gerne die Stärkung der Bierkultur in den USA. Mehr als der Spaziergang zurück zum Hotel ist danach nicht mehr drin.













































